Weihnachtsgruß an die Gemeinde

Sehr geehrte Gemeindemitglieder,

ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Was mag es Ihnen am Schönem und Schwerem gebracht haben – und was haben Sie ihm gebracht? Konnten Sie ein wenig von dem verspüren, was wir „Glück“ und „Zufriedenheit“ nennen, oder war vieles nur eine Last und manches vielleicht sogar bitter?

Mit der Geburt des Jesus-Kindes an Weihnachten – so heißt es – hat sich das Tor des Himmels geöffnet, so dass Himmel und Erde, Gott und Mensch, von nun an in einer festen Verbindung stehen. Mit dem Kind von Bethlehem kam die Liebe Gottes auf die Erde, damit sich die Erde von dieser Liebe ergreifen lasse.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein, denn es bedeutet: Wir, alle Menschen, könnten die göttliche Liebe in uns aufnehmen und uns von ihr verwandeln lassen. Wir könnten zu Boten und Zeugen des Himmels werden. Die Frage ist nur: Wollen wir das überhaupt? Und sind wir uns der Folgen bewusst?

Denn wenn wir zu Boten der Liebe Gottes würden, hieße das, dass sich unser Leben sichtbar ändern würde: Wir würden zu großzügigen, vergebenden, barmherzigen und mitfühlenden Menschen. Wir würden zu Menschen, die die Rüstung des Misstrauens und des Eigennutzes abwerfen, zu Menschen, die alles taktische Denken aufgeben und in den Mitmenschen die Schwester oder den Bruder erkennen. Deshalb noch einmal: Wollen wir das? Oder leben wir eigentlich ganz gut mit unseren Hartherzigkeiten, unseren Vorurteilen und unseren Inkonsequenzen? Haben wir es uns (zu) bequem gemacht in unseren Blasen und Kokons, die uns von der widrigen Welt abschirmen?

Für das kommende Jahr hat sich die Gemeinde St. Magnus/St. Agatha zum Ziel gesetzt, „Türen zu öffnen“. So lautet zumindest ihr Motto für 2020. Und dies bedeutet eben nicht nur, dass sich die Gemeinde offen und einladend präsentieren will – es bedeutet zuallererst, dass die Christenmenschen aus Everswinkel und Alverskirchen ihre Komfortzone verlassen wollen, um auf die Menschen in ihrer Umgebung zuzugehen. Geöffnete Türen sind keine Einbahnstraßen. Es sollen eben nicht nur die sog. „Fernstehenden“ zur Kirche kommen, sondern die Kirche möchte auch und gerade zu den Menschen gehen, die sie möglicherweise bislang übersehen hat (unabhängig davon, ob diese dann regelmäßig in die Kirche gehen). Türen öffnen – ja! Doch müsste als erstes die Kirche selbst, die Gemeinde-vor-Ort, durch die geöffneten Türen hinaus in die Welt gehen.

Und genau dies wäre unser Weihnachtswunsch für die Menschen in St. Magnus/St. Agatha: Dass wir uns öffnen, dass wir aufbrechen, um zu denen zu gehen, die schon lange auf ein gutes Wort, auf eine helfende Tat und auf eine tragfähige Gemeinschaft warten. Dann käme durch uns die Liebe Gottes zu den Menschen. Dann wäre Weihnacht.

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das Neue Jahr 2020 wünschen Ihnen die Seelsorgerinnen und Seelsorger von St. Magnus und St. Agatha.

Dr. Stefan Peitzmann

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