Pfarrer Thomas Daniel Sahayara (gespr. Sahajaratsch) feiert mit der ganzen Gemeinde seinen 50. Geburtstag

Beim großen Einzug in die spätgotische Hallenkirche St. Magnus in Everswinkel zum Gottesdienst am Samstagabend wollte die Prozession aus Fahnenträgern, Messdienern und Priestern kein Ende nehmen.

Mit einem fulminanten Präludium begleitete Thomas Krass an der Orgel den Einzug. Fast jeder Verein der Münsterlandgemeinde Everswinkel-Alverskirchen war mit seiner Fahne vertreten. Auch die Zahl der Messdiener/innen aus beiden Ortsteilen war besonders groß.
Das festliche Orgelspiel mündete in den vollen Gemeindegesang in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche. Alle wollte den 50. Geburtstag ihres Priesters Thomas aus dem Bistum Kumbakonam im Süden Indiens mitfeiern.
Sogar vier indische Mitbrüder, die ebenfalls in Deutschland sind, standen neben dem Jubilar, dem leitenden Pfarrer Pawel Czarnecki und dem im Ruhestand in Everswinkel lebenden Monsignore Heinz Gunkel am Altar.
Gunkel war es dann auch, der zu Beginn des Gottesdienstes das Wort ergriff: „Ja, lieber Thomas, du hast darum gebeten, dass einer etwas sagt, der reden kann. Ja, das kann ich wohl.“ Mit seinen einleitenden Worten und Glückwünsche bezeichnete er das Geburtstagskind als ein in Everswinkel bekannten „bunten Hund“. „Ja, jeder kennt dich und schätzt dich, deine Bescheidenheit und deine Nähe zu den Menschen.“ Bis zum heutigen Tag gingen die Geburtstage von Pfarrer Thomas im Alltagsstress eher unter. Umso wichtiger sei es, an diesem Tag Dank für die geschenkte Zeit zu sagen und dieses runde Jubiläum gebührend zu feiern. Die Zahl der Gottesdienstbesucher mache das auch sehr deutlich. So lud Gunkel dann auch Organist und Gemeinde ein, das bekannte Lied: „Zum Geburtstag viel Glück“ anzustimmen. Dem kamen alle Angesprochenen mit Inbrunst nach.
Ausgehend vom Tagesevangelium, in dem die Stimme Gottes zu Jesus bei der Taufe im Jordan sagt: „Das ist mein geliebter Sohn“, ging Pfarrer Pawel Czarnecki in seiner Predigt der Frage nach: „Wer bin ich vor Gott – und wer darf ich für andere sein?“ An das Geburtstagskind gewandt sagte er: „Lieber Thomas, die Zusage – Kind Gottes zu sein – ist der Grundton deines Lebens.“
Aus Indien zu uns nach Deutschland in das beschauliche, münsterländische Dorf kommend bedeutete das: „Fremde Sprache, fremde Kultur, fremde Mentalität. Ein Schritt, der Mut braucht. Ein Schritt, bei dem man spürt: Ich gehe nicht nur meiner eigenen Planung nach – ich gehe einem Ruf nach.“
Der Anfang 2014 war nicht einfach. Doch schon bald hatte Thomas sich durch seine seelsorgerische Art einen festen Platz in den Herzen der Menschen in Everswinkel und Alverskirchen erobert.
Dem studierten Pastoralpsychologen bescheinigte Pawel Czarnecki für die Aufgabe als Seelsorger wichtige Attribute: „Zuhören. Zeit haben. Freundlich sein. Geduldig bleiben. Keine großen Worte, aber eine große Herzlichkeit.“
Mit Blick auf die große Zahl der Gottesdienstbesucher – auch in der St. Magnus-Kirche eine Seltenheit geworden – sagte der leitenden Pfarrer: „Thomas ist hier nicht ein „Funktionsträger“. Er ist ein Weggefährte. Er ist ein Freund für viele geworden. Und diese Gemeinde weiß zu schätzen, wenn ein Mensch treu und mit Herz dient.“

Zum Schluss seiner Predigt versuchte Czarnecki sich mit einem christlichen Segenssatz, den viele tamilische Christen kennen und der dem Dienst des Geburtstagskindes gut entspreche: „Aandavar unnai thaanggi nadathuvaaraaga.” („Der Herr möge dich tragen und führen.“) „Das hast du richtig ausgesprochen“, kommentierte Thomas seinen Mitbruder als der aufbrandende Applaus verebbte.

Die Choralschola, der Kirchenchor und der Chor ´Harmonie´ machten den Gottesdienst zu einem sehr festlichen Ereignis.

Den Schlusspunkt setzte das Gemeindelied: „Großer Gott wir loben dich“ wozu dann auch noch eine strahlende Trompete die Melodie mitspielte. „Das ist hier immer so, wir singen immer die 1. und die 5. Strophe.“ So der Kommentar eines Beteiligten.
„Heute wird getanzt, gesungen und gelacht!“ so könnte die Überschrift über den folgenden Teil dieses bedeutenden Tages in Everswinkel sein.




Die Schlange vor dem Pfarrheim schien nach dem Gottesdienst kein Ende zu nehmen. Jeder wollte das Geburtstagskind persönlich begrüßen, in die Arme schließen und ihm alle guten Wünsche für den weiteren Weg mit eigenen Worten ausdrücken. Jeder Raum, selbst die Flure waren anschließend mit Gratulanten gefüllt, Kleine, Große, alle Altersgruppen der Gemeinde waren vertreten. Mitglieder des Pfarreirates und des Kirchenvorstandes hatten gute Vorbereitungsarbeit geleistet.


Agnes Franke, Vorsitzende des Pfarreirates, äußerte in ihrer Begrüßung dann auch die Befürchtung, dass beim nächsten runden Geburtstag von Pfarrer Thomas das Pfarrheim wohl nicht mehr ausreichen würde und man daher die Feierhalle anmieten müsse. Voraussetzung sei natürlich, dass der indische Priester der Pfarrgemeinde noch mindestens weitere 10 Jahre erhalten bleibe.

Sogar der ehemalige Pfarrer Heinrich Hagedorn hatte den weiten Weg von Alstätte, seinem neuen Wirkungskreis, in die Münsterlandgemeinde geschafft. Er gratulierte in der ihm eigenen Art und erinnerte daran, wie er 2014 Thomas vom Bahnhof abgeholt habe. „Deinen Start hier in Everswinkel haben wir aber gut hingekriegt, ne?“, so Hagedorn.
Viele teilweise sehr liebevoll gestaltete Geschenke zierten den Gabentisch. Die für das Hilfsprojekt in Indien vorgesehenen Geldbeträge brachte Margret Lamenta in Sicherheit, damit jeder auch noch so kleine Betrag sein Ziel erreicht.

Mitglieder aus der tamilischen Community, die Thomas betreut und die sich regelmäßig zu einem tamilischen Gottesdienst in der St. Agatha-Kirche treffen, führten einen indischen Tanz vor.


Im gemeinsamen Kanon: „Wo die Liebe wohnt“ mit einem ergänzenden, auf die Person des Geburtstagskindes zugeschnittenen Text brachten alle Anwesenden in einem Gemeinschaftschor stimmgewaltig ihre Wertschätzung zum Ausdruck.

Nun schwärmten die Mitglieder des Pfarreirates und Kirchenvorstandes wie Bienen aus und boten den Gästen „Fingerfood“, kleine Happen der unterschiedlichsten Art zum Verzehr an. Damit Jedermann wusste, wie das Angebotene heißt und aus welchen Hauptzutaten es kreiert worden ist, war jedes Tablett mit einem kleinen Hinweisschildchen versehen.

Gemeinsame Gespräche, Erzählungen von persönlichen Begegnungen mit Thomas und die Freude, mit dem Geburtstagskind ein wenig Zeit zu verbringen kennzeichneten den weiteren Abend.
In einem persönlichen Brief an alle Beteiligten, der im den Wochenmitteilungen in den beiden Kirche ausliegt, bedankt sich Thomas herzlich für einen Tag voller Freude, Dankbarkeit und lebendiger Gemeinschaft. „Vergelt’s Gott für alles – für Ihr Dasein, Ihr Mitfeiern und Ihre Verbundenheit.“
(Michael Schulte)






