Die Schönheiten Polens entdeckt

„Polen für Anfänger – Auf Entdeckungsreise mit Pfarrer Czarnecki“ – so lautete das Motto der Reise, die eine Gruppe von 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vornehmlich als Everswinkel von Breslau über Krakau, von berühmten Pilgerorten bis nach Auschwitz führte – eine Route, so facettenreich wie die Geschichte des Landes selbst. Anders als die übrigen Nachbarländer Deutschlands wie Dänemark, die Niederlande, Belgien Frankreich oder Österreich war es für die meisten Reisenden der erste Kontakt mit dem östlichen Nachbarn.

Schon während der Busfahrt erfuhren sie viel Wissenswertes über die Geschichte Polens vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Pfarrer Czarnecki wusste unterwegs informativ und zugleich interessant mit Esprit und Witz über sein Heimatland zu berichten, nicht nur über die polnischen Teilungen, die den meisten aus dem Geschichtsunterricht bekannt sind. Nach einer der letzten kriegerischen Auseinandersetzungen im 18. Jahrhundert verschwand das Land über 125 Jahre ganz von der politischen Weltkarte, bevor es 1918 neu gegründet wurde.

In guter Stimmung und mit vielen Informationen ausgestattet, startete die Reisegruppe die Erkundungstour in das östliche Nachbarland in Breslau (polnisch (Wrocław), der ehemaligen Hauptstadt Schlesiens. Die Stadt begrüßte die Gruppe als ein Ort, in der der Glanz vergangener Epochen in der Gegenwart weiterlebt. Die Altstadt zog sich in warmen Tönen durch die Oderlandschaft, der Dom auf der Dominsel ragte stolz über das Wasser, und der Marktplatz (Rynik) mit Rathaus präsentierte sich als weltoffenes pittoreskes Zentrum des täglichen Lebens. Zwischen modernen Cafés und historischen Fassaden entstand der Eindruck, dass Vergangenheit und Gegenwart hier keine Gegensätze, sondern sich harmonisch ergänzen.

Weiter ging es nach Krakau, in die geschäftige Metropole an der Weichsel. In der beeindruckenden Steinarchitektur, von der das Stadtbild geprägt ist, mischte sich an zahlreichen Plätzen die Geschichte mit der Gegenwart. Die Gruppe schlenderte durch die großartig angelegten Tuchhallen am Rynek. Natürlich durfte ein Besuch der imposanten Marienkirche mit dem weltberühmten Altar des Veit Stoß, der den Tod Mariens zeigt, aus dem 15. Jahrhundert nicht fehlen, eines der schönsten Werke gotischer Bildschnitzerei. Über den Königsweg ging es zum Schlossberg Wawel mit der Kathedrale St. Wenzel und Stanislaus, der Krönungskirche der polnischen Könige.

Neben vielen kulturellen Eindrücken stand darüber hinaus eine Floßfahrt auf dem Dunajec durch ein Naturschutzgebiet auf dem Programm, die leider sogar von oben reichlich Wasser zu bieten hatte. Dennoch oder gerade deswegen hatten die Reisenden viel Spaß an diesem Erlebnis der besonderen Art. Auch der Abstecher nach Zakopane, einem bekannten Erholungsort am Fuß der Hohen Tatra, bot ganz neue Eindrücke zu Holzschnitzereien an ihren Häusern, die von einer Kultur erzählten, die eng mit den Bergen verbunden ist. Dort trifft Ursprünglichkeit auf Tourismus, sowohl im Sommer wie besonders im Winter.

Imposantes ganz anderer Art gab es im Salzbergwerk Wieliczka zu bestaunen. Tief unter der Erde eröffnete sich eine stille Welt aus Salz, in der Statuen und eine eindrucksvolle Kapelle aus Salzelementen und Kristallen in beständiger Ruhe leuchten. Besonderes Highlight dabei war die beeindruckende Wieliczka-Kapelle, in der alle Darstellungen aus Steinsalz von den dort tätigen Arbeitern gefertigt waren.

Darüber hinaus führte die Reise in verschiedene spirituelle Zentren des Landes, allen voran Czestochowa, berühmt als Mittelpunkt polnischer Pilgertradition. Die Ikone der Muttergottes in der Jasna Góra-Klosteranlage zieht Pilgernde aus aller Welt in ihren Bann, die sich täglich am Gnadenbild zum Gebet versammeln. Weitere bekannte Wallfahrtsorte in Südschlesien sind das Sanktuarium Lagiewniki in Krakau, das Heiligtum der Barmherzigkeit, wo ruhige Gänge, religiöse Kunst und Gebetsräume eine Atmosphäre schufen, die Raum zum Nachdenken ließ. In Deutschland weniger bekannt ist Wallfahrtstätte Kalwaria Zebrzydowska, die Gedenkstätte der heiligen Faustyna. In Indien hingegen erfährt sie von der christlichen Bevölkerung große Verehrung, wie Pfarrer Thomas aus seiner Heimat zu berichten wusste. Wadowice, Geburtsort von Papst Johannes Paul II., strahlte eine ruhige, freundliche Atmosphäre mit dem Charme kleiner polnischer Städte aus. Das Geburtshaus des früheren Pontifex, das heute mit Ausstellungsstücken aus seiner Jugendzeit als Museum dient, sowie die Kirche St. Jakub gaben Einblicke in sein Leben, das später die Herzen vieler Menschen weltweit berührte.

Wer Polen besucht, darf sich jedoch nicht der moralischen Verantwortung entziehen, die Deutschland gegenüber seinem Nachbarland hat. Daher besuchte die Gruppe gegen Ende der Reise das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Nach dem Betreten durch das alte Tor mit der zynischen Überschrift „Arbeit macht frei“ wurde zwischen dem Museumsgelände und den historischen Gedenkstätten die Erinnerungspflicht greifbar. Die eindringliche Stille auf den großen Flächen des Geländes vermittelte eine Ergriffenheit, die dennoch das ganze Ausmaß der Ereignisse kaum begreifbar machte. Die Führung durch die Stätten der Deportation, die Stätten des Gedenkens, die Stätten der Aufklärung ließ die Reisenden tief betroffen angesichts des unendlichen menschlichen Leids zurück, das an diesem Ort den Insassen zugefügt wurde. Über eine Million Menschen sind hier systematisch in wenigen Jahren ermordet worden. Die historischen Baracken, Zellen und Gedenkstätten erzählten Geschichten von Leid, Überleben und menschlicher Würde. Die Botschaft für die Gegenwart lautet Respekt vor den Opfern, Verantwortung gegen Antisemitismus und jede Form von Extremismus. Im anschließenden Gottesdienst fasste Pfarrer Czarnecki die Gedanken vieler zusammen: „Glauben heißt nicht, alles zu verstehen. Glauben heißt, sich halten zu lassen, dort, wo es dunkel ist. Wir stehen hier mit dem Bild des Kreuzes vor Augen und mit Auschwitz im Herzen. Beides zusammen ist schwer auszuhalten. Aber wir dürfen es verbinden. Damit wir trotz allem Menschen der Hoffnung bleiben.“ Respekt, Erinnerung und Einsatz gegen Hass in allen Formen, diese Botschaft nahmen die Reisenden von diesem traurigen Ort mit, der zum Synonym des Holocaust geworden ist.

Auf dem Rückweg machte die Gruppe zum Abschluss noch einmal Station in Görlitz, einer Grenzstadt an der Oder, die durch ihre Renaissance- und Barockarchitektur beeindruckt. Damit ging eine abwechslungsreiche Reise zu Ende, die Kultur und Geschichte, Natur und religiöse Zentren Polens den Reisenden nähergebracht hat.

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