Feb
15

Kirche St. Agatha

Autor // admin
Veröffentlicht in // Räume, St. Agatha

Kirche St. AgathaDas Alverskirchener Gotteshaus schaut mit seinem romanischen Turm und seinem gotischen Kirchenschiff (Saal mit drei Jochen und 5/8 Schluss, Rippengewölbe auf Konsolen, Fischblasenmaßwerk) auf über 800 Jahre gelebte Gottesbeziehung zurück.

Kirchenpatronin ist die Heilige Agatha aus Catania, Sizilien. Ihr Patrozinium feiern wir am 05. Februar.

Was die sakrale Kunst so anziehend macht, ist der Umstand, dass sie einer Sehnsucht Ausdruck verleiht und sie so zum Sprechen bringt. Wir wünschen allen Besuchern die Erfahrung, wie die sichtbaren Schönheiten vom Unsichtbaren erzählen.

Kirchplatz

In Anlehnung an den früheren Kirchhof wurde der Kirchplatz im Jahr 2005 an seiner Nordseite umgestaltet. Seit dem Frühmittelalter galt das Areal rings um eine Kirche bis zu einer Entfernung von dreißig Schritten als geweiht und war rechtlich geschützt. Um die besondere Fürsprache der Heiligen, deren Grab bzw. Reliquien sich in der Kirche befanden, zu erlangen, regte sich der allgemeine Wunsch, bei ihnen beerdigt zu werden.

So entstand der Friedhof. Geschaffen war damit sowohl der mittelalterliche Totenbrauch wie auch das Siedlungsbild: Kirche mit Friedhof und rundherum die Anwohner. Friedhöfe umschlossen dann die Kirchen als ringförmige Gürtel. Sie waren durch Mauern, Zäune oder Hecken, später auch durch Bäume, von der Profanwelt abgetrennt und durch ein großes Holz- oder Steinkreuz gekennzeichnet.

Sieben kleine Bäume säumen heute den nivellierten und mit Rasenfläche versehenen Platz an seiner Ost- und Nordseite. Das Denk- und Ehrenmal, das der Bildhauer Hubert Janning, Angelmodde, 1972 schuf und an ein irisches Kreuz erinnert, befindet sich nordöstlich auf einem Weg, der sich an dem Triumphkreuz der Westseite orientiert.

Das Gegenüberstehen des Denk- und Ehrenmales und des Triumphkreuzes dient dem Betrachter als Gedächtnisstütze und Erinnerungszeichen. Sie deuten Spuren der Geschichte in der Gegenwart an: Das Triumphkreuz, ein Werk des Künstlers Joseph Krautwald, Rheine, das einen dem Himmel zugewandten Christus in Auferstehungshaltung zeigt und zusammen mit einer Feuerschale für das Osterfeuer im Jahr 1977 eingeweiht wurde, erinnert an den alten, ehrwürdigen Begräbnisort Alverskirchens. Das Denk- und Ehrenmal ruft zum Gedächtnis der Opfer aller Kriege auf und mahnt zum Frieden.

Neben dem Denk- und Ehrenmal erstreckt sich ein horizontales Band. Es handelt sich um eine aus rotem Lavatuff umfasste Bronzegussfläche, auf der die Namen der Gefallenen und Vermissten in den Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts festgehalten werden. Die Konzeption und Gestaltung des Bandes übernahm 2005 der Steinbildhauer Stefan Lutterbeck, Everswinkel.

Mahnt die Inschrift des vorhandenen Denk- und Ehrenmales „Den Gefallenen und Opfern aller Kriege“ der Vergangenheit zu gedenken, so bekommt ein Kapitel deutscher Geschichte in Alverskirchen mit der Namensliste der Kriegstoten ein Gesicht. Denn wer über die Geschichte eines Dorfes erzählt, kommt unausweichlich auf Namen zu sprechen. Ohne Namen ist Geschichte unbeschreiblich. Die Anbringung der Namenstafel erfüllte einen alten und ersehnten Wunsch vieler Gemeindemitglieder: das grausame Schicksal der Kriegstoten und deren Familien in Alverskirchen und in den Kriegsgebieten sowie den Horror der Kriege nicht im Dunkel der Vergangenheit versinken zu lassen.

Diese Umgestaltung hebt den Platz des früheren Kirchhofs und Friedhofs hervor und gewährt einen größeren und harmonischeren Raum für Gottesdienste, Totenehrungen durch die Freiwillige Feuerwehr und den Schützenverein Alverskirchen sowie für Gemeindefeste. Ein sakraler und historischer Ort der Ruhe und des Friedens kann somit zum Dorfgedächtnis- und zur Gebetsstätte für die Kriegstoten werden. Denn ein „Denkmal ist ein Ding, welches die Kinder veranlasst, ihre Eltern nach der Ursache und Bedeutung zu fragen“ (Johann Martin Chladenius, 1752).

Die Umgestaltungsarbeiten des Kirchplatzes, die Umplatzierung des Denk- und Ehrenmales, sowie das Anbringen des Namensbandes wurden durch eigene ehrenamtliche Leistungen realisiert. Kunsthistoriker, Landschaftsgärtner und Steinbildhauer haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter unterstützt.